{"id":805,"date":"2020-08-08T16:51:18","date_gmt":"2020-08-08T14:51:18","guid":{"rendered":"http:\/\/jendricki.de\/?p=805"},"modified":"2020-11-17T18:09:18","modified_gmt":"2020-11-17T17:09:18","slug":"das-draussen-monster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jendricki.de\/?p=805","title":{"rendered":"Das Drau\u00dfen-Monster"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Apropos Kindheit:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mir in den Sommerferien oft das alte orange Stoffzelt meine Vaters im Garten aufgestellt und wollte darin \u00fcbernachten. Doch ich sage es gleich, es ist nie gelungen. Es wurde kalt und klamm oder ich hatte meinem kleinen Bruder und mir solche Angst gemacht mit meinen Geschichten, dass wir uns ins Haus fl\u00fcchteten. Trotzdem versuchte ich es immer wieder, mit den alten, muffig stinkenden Armeedecken in grau-gr\u00fcn haben wir uns ein gem\u00fctliches Schlaflager richten wollen &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu warst schon immer ein Drau\u00dfen-Monster\u201c, sagt meine Freundin. Stimmt. Ich hatte immer Sehnsucht nach der freien Natur und eine latent immer vorhandene Wohnungsflucht. Im Raum, indem ich schlafe, m\u00f6chte ich immer auch etwas von der lebendigen Natur drau\u00dfen sp\u00fcren, zum Beispiel durch eine ge\u00f6ffnetes Fenster.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Rauschen des Windes,<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jendricki.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Tentsile-offen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-810\" width=\"414\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/jendricki.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Tentsile-offen.jpg 816w, https:\/\/jendricki.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Tentsile-offen-300x225.jpg 300w, https:\/\/jendricki.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Tentsile-offen-768x576.jpg 768w, https:\/\/jendricki.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Tentsile-offen-624x468.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>eine Nachteule.<\/p>\n\n\n\n<p>Regentropfen,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>die frische der Nachtluft,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>das ferne Bellen eines Rehs im Auetal&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Lebendigkeit der Natur, des Drau\u00dfens, habe ich mich schon immer\u00a0verbunden gef\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sp\u00fcren andere Menschen dasselbe in ihrer Familie. Mein Zuhausegef\u00fchl war in der Natur, schon als Kind durchstreifte ich die W\u00e4lder rund um mein geliebtes Auetal, stieg in jedes Wasser, wenn es die k\u00fchlen norddeutschen Sommer erlaubten. Alles w\u00e4re wunderbar gewesen, h\u00e4tte meine Liebe nicht einen m\u00e4chtigen Gegenspieler gehabt! Die Angst.<\/p>\n\n\n\n<p>Allen voran Angst im Dunkeln, aber auch Angst vor anderen Menschen, besonders Fremden. Eine zeitlang auch vor Hunden. Alles zusammen erschwerte mir die Aufenthalte in der Natur, wo Spazierg\u00e4nger mit Hunden, genauso wie Naturschutzgebietbesucher, Angler, J\u00e4ger und Landwirte auftauchen konnten. Aber die Tatsache, dass ich nicht schlafen konnte, weder drau\u00dfen noch drinnen, machte mir die Erf\u00fcllung meiner Sehnsucht unm\u00f6glich. Ich schlief sehr schwer ein, wenn \u00fcberhaupt. Sogar in meinem eigenen sicheren Bett brauchte es Stunden bis ich endlich in einen leichten Schlaf fiel, der bei den geringsten Ger\u00e4usch (mein Bruder dreht sich auf die andere Seite, das Bettzeug raschelt etc.) unterbrochen wurde und dann begann das Spiel von vorn. Aber mein Schlaf und ich sollen hier nur am Rande Erw\u00e4hnung finden, denn das ist ein eignes und nicht gerade einfaches Thema, das einen eigenen Artikel verdient.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe so weit ausgeholt, um das Ausma\u00df der Gl\u00fcckseligkeit ansatzweise zu beschreiben, die ich empfinde wenn ich in meinem Baumzelt erwache. Es ist warm und es wird kein Regen erwartet, daher habe ich den Regen\u00fcberzug, das RainFly vom Zelt genommen. Der Mond scheint durch die Kiefer, an der ich festgemacht habe und der Morgenstern zwinkert mir ein erstes aufmunterndes Hallo des herannahenden Tages. Sanft schwingt der Boden als ich mich auf den R\u00fccken drehe, es wiegt mich, beim Anblick der letzten Sterne im schon heller werdenden Nachthimmel, gleite ich noch einmal gl\u00fccklich in den Schaf hin\u00fcber.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich schlie\u00dflich endg\u00fcltig wach werde, ist es schon hell, ich blinzele in milchiges August-Morgen-Licht. Ich strecke und rekele mich, atme die Morgenfrische, die mich in meinem Baumzelt nat\u00fcrlich liebkost. Ich schlafe so gut und bin so viel erholter und wacher nach einer Nacht drau\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Apropos Kindheit:&nbsp; Ich habe mir in den Sommerferien oft das alte orange Stoffzelt meine Vaters im Garten aufgestellt und wollte darin \u00fcbernachten. Doch ich sage es gleich, es ist nie gelungen. 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